In deutschen Hobby-Werkstätten ereignet sich regelmäßig ein Horrorfilm. Steckt im deutschen Heimwerker ein kleiner Dick und Doof? Anders lassen sich die 300.000 Heimwerkerunfälle pro Jahr fast nicht erklären. Das macht 800 Unfälle pro Tag und einen alle zehn Sekunden. Besonders oft ereignen sich Unfälle, weil der Arbeitsschutz zuhause schleifen gelassen wird. Obwohl man sich daheim und nicht etwa auf der Arbeit befindet, müssen Schutzvorkehrungen sein. Der wichtigste Tipp zur Unfallvorbeugung vorab: Geräte regelmäßig auf Schäden kontrollieren - und bei der Arbeit heißt es dann Konzentration, Konzentration, Konzentration! Wir kennen die Spitzenreiter unter den Heimwerkerunfällen. Damit der Horrorfilm nicht in Ihre Werkstatt einzieht, helfen wir Ihnen bei der Vorbeugung.

1. Final Destination mit Leiterunfällen

Das Schicksal lässt nicht mit sich handeln: Die finale Destination steht schon zu Beginn des Lebens fest, so lehrt uns auch der Film Final Destination. Trotzdem fordert man das Schicksal besser nicht heraus, um die Endstation nicht auch noch nach vorne zu verlegen. Die Final Destination kann beispielsweise mit einem Leiterunfall näher rücken als gedacht. So beweist zumindest die deutsche Unfallstatistik: Obst geerntet und von der Leiter gerutscht. Standsicherheit vernachlässigt oder entgegen der Herstellerwarnung auf den obersten Stufen gearbeitet. Solche Vorfälle ereignen sich in Deutschland Tag für Tag. Ungefähr 180.000 Leiterunfälle gibt es jedes Jahr und rund 20 davon werden zur finalen Destination. Mit ein paar Sicherheitstipps können Sie Leiterunfällen gewissenhaft vorbeugen.

  • Leitern nicht für lang andauernde Arbeit verwenden!
  • Keine schweren Gegenstände auf die Leiter mitnehmen!
  • Immer Standsicherheit überprüfen und bei Nässe oder Glätte keine Leitern aufstellen!
  • Leitern eignen sich nicht für freihändige Arbeiten!
  • Bei der Arbeit festes Schuhwerk tragen und nicht seitlich hinauslehnen!
  • Anlegeleitern im Winkel von 75° Schräge aufstellen und nie gegen unsichere Anlegepunkte lehnen!
  • Bei Stehleitern die Spreizsicherung aktivieren!

Wenn Sie das Schicksal nicht unnötig herausfordern, wird Ihre Final Destination hoffentlich noch lange auf sich warten lassen.

2. Die Saw-Erfahrung mit Kreissägenunfällen

Wer hätte das gedacht: James Wans Saw-Film ist gar nicht mal so weit hergeholt. Rund 14.500 mal im Jahr erwarten den deutschen Heimwerker in der eigenen Werkstatt abgetrennte Finger, Fleischwunden, literweise Blut und die überstürzte Flucht in die Zivilisation. Statt einem Jigsaw ist in der Werkstatt, ist die eigene Tischkreissäge für die Unfälle verantwortlich. Mal werden die Hände als Schraubstock benutzt. Mal werden Späne bei laufendem Motor von der Säge entfernt. Ebenfalls ein gern genommener Klassiker: die Kreissäge wird um der Zeitersparnis Willen ohne Schutzabdeckung benutzt oder man wird abgelenkt. So nett das Gespräch mit dem Nachbarn auch ist - wer während der Arbeit an der Kreissäge schnattert, darf das Geschnatter unter Umständen auf eine Fahrt mit dem Krankenwagen ausdehnen. Obwohl das Kreissägen-Massaker der absolute Spitzenreiter unter den Heimwerkerunfällen ist, lässt es sich mit ein paar wenigen Tipps vermeiden:

  • Hände weg vom Sägeblatt!
  • Zerspanungskräfte beachten!
  • Abfallstücke nicht manuell beseitigen!
  • Schutzabdeckung nicht entfernen!
  • Hände sind kein Schraubstock!
  • Vorm Ablegen den Motor ausstellen!

So aufregend Saw auch ist, so wenig möchten wir es in der eigenen Werkstatt durchleben.

3. Schleifmaschinenunfälle - vom weißen Hai gefressen

Steven Spielberg hat uns mit dem weißen Hai fasziniert. Heimwerker dürfen sich täglich aufs Neue fasziniert fühlen: sie finden in Ihrer Werkstatt nämlich einen kleinen weißen Hai. Idealerweise reißt der Bandschleifer bloß, was wir ihr zu reißen befehlen. In direktem Kontakt ihr, kann es aber auch unsere Haut erwischen. Vor allem Tellerschleifmaschinen- und Handschleifmaschinenunfälle sind unter den häufigsten Heimwerkerunfällen weit vorne mit dabei. Besonders ins Auge geht die Arbeit mit der Schleifmaschine gerne. Herumschwirrende Späne werden nicht bedacht, die eigenen Ärmel oder Haare wickeln sich um das Gerät oder die Schleifspindel der abgelegten Maschine stehen noch nicht. Zu mehr als 5.000 Unfällen soll es mit handgeführten Schleifmaschinen deutschlandweit jährlich kommen. Die meisten davon könnten mit diesen fünf Hinweisen verhindert werden:

  • Schutzbrille nicht vergessen!
  • Ärmel und Haare nicht von der Maschine fressen lassen!
  • Vorsicht vor Schleifkörperbruch!
  • Maschinendrehzahl kleiner stellen als zugelassene Schleifkörperdrehzahl!
  • Schleifspindel müssen beim Ablegen stehen!

Besänftigen Sie den weißen Hai und halten Sie sich an die Tipps.

4. Frankenstein-Look durch Bohrmaschinenunfälle

Schaurig hat es ausgesehen, das Monster aus Frankenstein. Nähte auf dem Kopf, Sprünge und tiefe Löcher. Ebenso schaurig kann uns ein Bohrmaschinenunfall aussehen lassen. Eigenwillige Ohrlöcher und Piercings mögen mittlerweile in Mode sein, aber versehentliche Bohrmaschinenlöcher an beliebigen Körperstellen tragen wir nur ungern. Letztlich sind sie aufgrund der mangelnden Sterilität auch nicht weiter zu empfehlen. Trotzdem kommen Bohrmaschinenunfälle gar nicht so selten vor. Zumindest rund 2.000 Unfälle pro Jahr sind solche mit Bohrmaschinen. Das Werkstück ist nicht vorschriftsmäßig eingespannt, der Vorschub des Bohrers wird nicht bedacht oder die Maschine wird abgelegt und vorher nicht ausgestellt. All das kann uns auf ewig mit Bohrlöchern in Frankensteinmanier entstellen. Weil Vorsicht besser als Nachsicht ist, haben wir die wichtigsten Tipps zur Vermeidung von Bohrmaschinenunfällen parat:

  • Werkstücke immer fest einspannen (nein, nicht in den Händen)!
  • Die Bohrmaschine gut festhalten (diesmal mit BEIDEN Händen)!
  • Vor dem Anlassen für festen Stand sorgen!
  • Bohraufsätze mit Hinblick auf die Eignung wählen!
  • Maschine vor dem Ablegen ausstellen.

Wenn es schon ein neues Schmuckloch sein soll, dann bitte keins in Frankenstein-Manier.

5. Paranormal Activity mit dem Hammer

In Oren Pelis Paranormal Activity bewegen sich die Dinge erschreckenderweise von Geisterhand. Ein absoluter Hammer: Wie von Geisterhand bewegt sich in deutschen Werkstätten manchmal auch der Hammer. Wie man mit dem Hammer einen Nagel einschlägt, dürfte Heimwerkern vertraut sein. Trotzdem passieren in Deutschland regelmäßig Hammerunfälle, die einer Paranormal Activity gleichen: der Hammerklotz löst sich vom Stiel und fliegt wild durch den Raum. Statt dem Nagel treffen wir unsere Finger oder rutschen von Nägeln ab. Wir benutzen den Hammer zum Biegen und fügen uns damit Schaden zu. Eine Paranormal Activity mit dem Hammer kann uns Quetschungen, Prellungen und schlimmstenfalls sogar Platzwunden am Kopf zufügen. Den meisten Hammerunfällen lässt sich allerdings vorbeugen.

  • Auf glatten, bruchlosen Hammerstiel achten!
  • Nur gratfreie Hammerköpfe benutzen!
  • Der Hammer ist kein Biegewerkzeug!
  • Hammerkopf muss fest auf dem Stiel sitzen!
  • Vorsicht mit Schmutz und Öl!

Unsere Tipps dürfen Sie durchaus ernst nehmen - Sie wissen ja, wie es den Ungläubigen in Paranormal Activity ergangen ist.

6. Das Kettensägen-Massaker

Wer Tobe Hoppers Kettensägenmassaker einen gänzlich unrealistischen Film nennt, wird von dieser Erkenntnis schockiert sein: ein echtes Kettensägen-Massaker kann uns am eigenen Holzplatz erwarten. Statt einem derangierten Leatherface sind es allerdings die deutschen Heimwerker selbst, die sich bei Holzarbeiten gar nicht so selten mit der Kettensäge verletzen. Die Motorsäge rutscht ab oder schlägt zurück. Wir ziehen neue Ketten unsachgemäß auf, sägen mit der Kettenspitze oder schätzen die Vibrationseinwirkungen falsch ein. Ebenso leicht können wir an Stand verlieren oder die Säge versehentlich aus der Hand lassen. Unsachgemäßer Gebrauch führt die Statistik an. Damit wir vom Kettensägenmassaker am eigenen Holzplatz verschont bleiben, können ein paar Tipps nicht schaden.

  • Scharfe und rundgespannte Ketten verwenden!
  • Für sicheren Stand sorgen und Schutzkleidung tragen!
  • Mit beiden Händen arbeiten und die Säge beim Starten abstützen!
  • Säge nur mit laufender Kette aus Holz ziehen!
  • Mit der Schienenspitze wird nicht gesägt!
  • Nicht über der Schulterhöhe sägen!

Ob Leatherface einen Kettensägenführerschein besessen hat, bleibe dahingestellt. Im Heimwerkbereich kann der Führerschein zum sicheren Umgang mit der Säge aber durchaus Sinn machen.

7. A Nightmare on Elmstreet mit Teppichmesserunfällen

Was man mit Cutter-Messern statt Fingern alles anstellen kann, hat Freddy Krueger in A Nightmare on Elmstreet bewiesen. Geben Sie immer Acht, wenn Sie Teppichmesser im Heimwerkbereich verwenden. Allein das BGN spricht pro Jahr von 15.000 Unfällen mit Cuttermessern. Die Unterlage rutscht, das Werkzeug wird zum Körper hingezogen oder wir verletzen uns beim Klingenwechsel. Zu Unfällen kommt es auch durch stumpfe oder defekte Klingen. In diesem Zusammenhang kann uns Freddy mit seiner Kralle als gutes Beispiel vorangehen: stumpf waren dessen Klingen nämlich ganz und gar nicht. Mit ein bisschen Vorsicht und einigen Hinweisen vermeiden Sie in den eigenen vier Wänden den Nightmare on Elmstreet aufgrund von Cutter-Messer-Unfällen.

  • Schneidewerkzeug nach Art des Schneidguts auswählen!
  • Nur scharfe, funktionsfähige Schneidwerkzeuge verwenden!
  • Beim Schneiden mit Teppichmessern auf eine feste Unterlage achten!
  • Schneidgut in sicherer Entfernung entgegen der Schneiderichtung festhalten.
  • Teppichmesser nie zum Körper hinziehen!

Eins, zwei, Freddy kommt vorbei - aber bitte nicht in Ihrer Werkstatt.

8. Exorzismus durchlebt mit Stromunfällen

Schwebende Körper und haltlos hin- und her geschleuderte Personen - das kennen wir von Teufelsaustreibungen á la Exorzist. Was im Horrorfilm auf ein Wirken des Teufels zurückgeht, kann uns im Heimwerkbereich mit Elektrounfällen ereilen. Dass der Teufel in der Steckdose steckt, ist gar nicht so weit hergeholt. 80 Personen werden Jahr für Jahr Opfer tödlicher Elektrounfälle. Defekte Schalter, beschädigte Kabel, Fehlerströme oder unsachgemäß genutzte Elektrogeräte können uns einen Exorzismus vom Feinsten durchleben lassen. Wir haben Tipps parat, wie Sie den Teufel in der Steckdose sitzen lassen und nicht zum Exorzismus-Opfer werden.

  • Kabel nicht mit Isolierband flicken!
  • Elektrogeräte nie am Kabel ziehen!
  • Knickstellen und festes Aufwickeln von Kabeln vermeiden!
  • Zum Brandschutz mit Sicherungen arbeiten!
  • Mit Fehlerstrom-Schutzschalter gefährliche Stromkreise abschalten!
  • Geräte mit Schutzsiegel geprüfte Sicherheit verwenden!

Wenn Sie sich die sichere Arbeit mit Strom nicht zutrauen, beauftragen Sie lieber einen Fachmann und entgehen Sie so einem Exorzismus.

9. Axtunfälle wie in The Shining

Victor Crowley hat sie in Hatchet benutzt, Stephen Kings Shining kam nicht ohne sie aus und auch sonst ist sie immer wieder ein beliebtes Horrorfilm-Thema: die Axt. Ihren Horrorfilm-Status hat sich das Werkzeug redlich verdient - Axtunfälle sind eine unschöne und vor allem blutige Angelegenheit. Man möchte meinen, dass die vielen Horrorfilme den deutschen Heimwerker vor den Gefahren im Umgang mit der Axt gewarnt haben. Trotzdem ereignen sich in Deutschland regelmäßig Axtunfälle, die gar nicht allzu selten auch unbeteiligte Beisteher betreffen. Ob es den Axtkopf zur Seite schleudert oder das gespaltene Holz gegen den Kopf des Axtführers fliegt - vermeiden Sie Axtunfälle in Ihrem Haushalt, indem Sie sich an simple Tipps halten.

  • Neben dem Hackklotz dürfen Beisteher nicht stehen!
  • Wackeliges Holz beim Spalten nicht manuell festhalten!
  • Die verkeilte Axt nicht mittels Hammer aus Holz lösen!
  • Axtkopf darf keine Haarrisse tragen!
  • Axt niemals ungeschützt transportieren!

Der regelmäßige Check auf Unversehrtheit schützt nicht nur Sie, sondern auch Menschen in Ihrer Umgebung. Zum Axtmörder in Shining-Marnier wollen Sie sicher nicht werden.

10. Mit Gefahrenstoffen nach Silent Hill gereist

Silent Hill hat uns das ein oder andere Monster sehen lassen. Wenn Sie in Ihrer Werkstatt Monster à la Silent Hill entdecken, dann kann das am unsachgemäßen Umgang mit Gefahrenstoffen wie Abbeizern oder ähnlich toxischen Mitteln liegen. Gefahrenstoff-Unfälle treten in deutschen Hobby-Werkstätten zwar weitaus seltener auf als im betrieblichen Umfeld, aber hier und da sind wahrnehmungstrübende und sogar tödliche Vergiftungen doch zu entdecken. Wirklich zu Silent Hill wird Ihre Werkstatt dann, wenn Sie Hinweise wie "hochentzündlich" ignorieren und in aller Ruhe das Feuer eröffnen.

  • Werkstatt beim Umgang mit Giften immer gut durchlüften!
  • Hochentzündliche und entflammbare Gefahrenstoffe nach Herstellerangaben lagern!
  • Mit Atemschutzmaske und Handschuhen arbeiten!
  • Größere Arbeiten mit Gefahrenstoffen im Freien durchführen!
  • Gefahrenstoffe niemals umfüllen!

Silent Hill mag filmisch ein attraktives Reiseziel sein, aber das gilt nicht für die Werkstatt. Wie es nicht geht, fasst der folgende Clip noch einmal anschaulich zusammen: