Möbel aufbauen ist grundsätzlich keine Hexerei. Die europäische Möbelindustrie stellt über den Handel ihren Endkunden eine Fülle von Produkten zur Verfügung, die besonders hinsichtlich ihrer Kippgefahr unbedenklich sind. Für die Einhaltung dieser Sicherheitskriterien bei der Entwicklung neuer Möbelprodukte gibt es sogar die europäische Norm EN 14749:2016. Sie legt fest, welche Belastungswerte ein Möbelstück beim alltäglichen Gebrauch, aber auch bei ungewöhnlicher Nutzung einhalten muss. Wie schnell können Kinder auf ein Möbelstück klettern, um beispielsweise an ein sonst unerreichbares Spielzeug zu kommen. Die Konstruktion, aber vor allem das sichere Aufbauen der Möbel sorgt dafür, dass sich daraus keine Gefahr ergeben kann. Kastenmöbel dürfen aber auch beim Herausziehen von Schubladen oder durch eine geöffnete Schranktür keinesfalls das Übergewicht verlieren. Von anderen Kontinenten, vor allem aus den USA wird immer wieder in den Medien berichtet, dass spielende Kinder von umstürzenden Möbelstücken verletzt oder sogar erschlagen wurden. Schuld sind meist Billigmöbel aus Fernost, bei denen die Sicherheitskriterien der Kippgefahr sträflich vernachlässigt worden sind. Der europäische und damit auch der deutsche Möbeleinzelhandel meidet weitgehend den Einkauf solcher gefährlichen Produkte. Dennoch obliegt es jedem Endkunden, ein Möbelstück fachgerecht und ohne Kippgefahr aufzustellen. Welche Überlegungen sind jedoch dazu erforderlich? Wir möchten in den nachfolgenden Kapiteln die wichtigsten Punkte benennen.

Gehen Sie systematisch vor, wenn Sie Möbelstücke aufbauen wollen

Es gibt Tausende bunt bebilderte Kataloge mit Möbeln von antik bis modern. Im Internet finden Sie eine noch größere Auswahl und im Möbeleinzelhandel können Sie deren Wertigkeit sogar erfühlen. Reicht es jedoch aus, wenn Sie Ihre Möblierung ausschließlich im Hinblick auf Design, Wohlfühlambiente, Stilrichtung und Funktionalität auswählen? Logisch – diese Kriterien sind wichtig, damit Sie sich in Ihren möblierten Räumen letztendlich wohlfühlen. Betrachten Sie die Auswahl aber auch hinsichtlich der Kippgefahr - und dazu gehören Ihre Lebensgewohnheiten sowie die Ihrer Familie und Gäste. Selbst ein absolut standsicheres Möbelstück kann zur Gefahr werden, wenn es sich im Bereich der gewohnheitsmäßigen Laufwege in einem Raum befindet. Zur Vermeidung der Kippgefahr gehört aber auch, die Vorschriften des Herstellers der Möbelstücke zu beachten. Montagezubehör gehört in den meisten Fällen zum Lieferumfang. Es ist Ihnen dringend angeraten, alle sicherheitsrelevanten Zubehörteile auch einzubauen. Es passiert häufiger als vermutet, dass beim Aufbauen der Möbel Einzelteile übrigbleiben. In einem solchen Fall müssen Sie unbedingt kontrollieren, wo diese nach den Aufbauhinweisen des Herstellers platziert werden sollten. Bauen Sie diese Teile nicht ein, hat das Möbelstück möglicherweise keinen sicheren Stand und wird zur Kippgefahr. Betrachten Sie die Auswahl Ihrer Möblierung aber auch hinsichtlich der sicheren Befestigungsmöglichkeit. Nicht jede Bausubstanz ist in der Lage, besonders schwere Möbelstücke zu tragen. Darauf werden wir in einem nachfolgenden Kapitel noch näher zu sprechen kommen. Bereits nur geringfügig ambitionierte Heimwerker und Heimwerkerinnen können ihre Möbelstücke selbst aufbauen. Sie benötigen dazu lediglich das geeignete Werkzeug, aber auch Kenntnisse der Befestigungstechnik. Überschätzen Sie jedoch besonders bei schweren Möbelstücken nicht Ihre Fähigkeiten. Gegebenenfalls ist es besser, einen Fachmann mit dem Aufbauen der Möbel zu beauftragen. Sie vermeiden damit eine mögliche Kippgefahr. Letztendlich spielen aber auch das fachgerechte Aufbauen hinsichtlich der exakten Ausrichtung und die Leichtgängigkeit aller beweglichen Bauteile eine große Rolle. Ein Schubkasten, der nur mit Gewalteinwirkung herausgezogen werden kann, ist nicht nur ein permanentes Ärgernis. Er wird auch früher oder später defekt sein. Vor allem aber birgt er eine latent vorhandene Kippgefahr. Unser Fazit der Kriterien:

  • Auswahl der Möbel nicht nur nach Design etc., sondern auch entsprechend der Lebensgewohnheiten
  • fachgerechter Aufbau entsprechend der Herstellerhinweise
  • Beachtung der vorhandenen Bausubstanz
  • Nutzung des eigenen handwerklichen Know-hows, ohne es zu überschätzen
  • Herstellung der Leichtgängigkeit aller Möbelstücke

Wie wird Ihre Möblierung Teil des Ganzen ohne Ecken und Kanten?

Bevor Sie Ihre Möbel kaufen und aufbauen, werden Sie sich sicher gemeinsam mit Ihrer Familie mit den Fragen des Wohndesigns befassen. Die Möglichkeiten sind heutzutage nahezu unerschöpflich. Ob antik oder rustikal, modern oder trendig – Sie werden von den vielseitigen Angeboten fast überrannt. Alles ist möglich, ist es aber auch sinnvoll hinsichtlich der Funktionalität und Kippgefahr? Nehmen Sie sich ein wenig Zeit und platzieren Sie gedanklich die Möbelstücke, die Ihnen gefallen. Noch besser ist es, ein Blatt Papier mit einer maßstäblichen Zeichnung oder ein spezielles Computerprogramm zu nutzen. Haben Sie Ihre Möbel platziert, gehen Sie auf der Zeichnung „spazieren“. Bereits hier werden Sie feststellen, ob einzelne Möbel zu dicht an den Laufwegen stehen oder ob eine geöffnete Schranktür beispielsweise in den Bereich der Zimmertür ragt. Beulen, blaue Flecke und beschädigte Möbeloberflächen sind dann kaum zu vermeiden, und Sie sollten umplanen. Gehören Kinder oder Menschen mit körperlichen Einschränkungen zu Ihrer Familie, müssen Sie deren Bedürfnisse in die Überlegungen mit einbeziehen. Das unbeobachtete Erklettern der Möbel durch Kinder haben wir bereits genannt. Aber auch körperbehinderte Familienmitglieder oder die Großeltern wollen ihre Eigenständigkeit weitestgehend berücksichtigt wissen. Schubladen, Schranktüren und andere bewegliche Möbelbauteile provozieren hier sehr schnell eine Kippgefahr, wenn sie nur schwer erreichbar oder schwergängig sind. Möbel aufbauen ist demzufolge nicht nur eine Frage dessen, wie Sie sich ein schönes Raumambiente mit Wohlfühlcharakter schaffen. Es beinhaltet vielmehr auch alle Aspekte der Funktionalität, und dazu gehört die nicht nur sporadische, sondern völlige Vermeidung jeglicher Kippgefahr.

Halten Sie sich unbedingt an die Vorgaben des Möbelherstellers

Kastenmöbel gibt es manchmal als komplett montierte Einzelstücke, meist jedoch in Form von als Bausatz gelieferten Produkten. Bei Komplettmöbeln obliegt es Ihnen lediglich, diese kippsicher und unter Herstellung der Leichtgängigkeit aller beweglichen Einzelteile aufzustellen. Bei Bausätzen beginnt das Aufbauen jedoch damit, diesen zu einem Möbelstück zusammenzubauen. Ob Sie damit immer nach den mitgelieferten Systemzeichnungen des jeweiligen Herstellers vorgehen sollten, muss nicht immer als zwingend sinnvoll betrachtet werden. Oftmals enthalten diese „Bauzeichnungen“ so unverständliche Darstellungen, dass diese nicht nachvollziehbar sind. Häufig ist aber auch eine leicht abweichende Reihenfolge des Zusammenbaus wesentlich praktikabler. Wichtig ist lediglich, dass Sie am Ende des Zusammenbaus keine Zubehörteile übrigbehalten. Deshalb ist es sinnvoll, wenn Sie vor Beginn der Montage alle Teile sichten und sortieren. Fast alle Bauzeichnungen enthalten eine Stückliste. Ordnen Sie deshalb nach dem Auspacken alle Teile und überprüfen Sie deren Vollständigkeit. Besonders bei kopflastigen Möbeln finden Sie im Lieferzubehör Montagewinkel und Verbindungsteile zu benachbarten Möbelstücken. Diese sind wichtig und der Hersteller hat ihnen eine sicherheitsrelevante Funktion gegeben. Verzichten Sie deshalb niemals auf deren Montage. Sie sind wichtige Teile, mit denen Sie eine Kippgefahr erst vermeiden.

Nicht jeder Fußboden und jede Wand tragen auch jedes Möbelstück

Das Aufstellen von Möbeln kann zum Problemfall werden, wenn nicht die notwendige Bausubstanz vorhanden ist. Betroffen sind davon vor allem die Wände, aber auch die Fußböden. Vor allem bei Altbauten mit ihren in die Jahrzehnte gekommenen Holzbalkendecken können die aufgestellten Möbel schaukeln. Solche Decken verfügen zwar grundsätzlich über ausreichende Tragkraft, handelsübliche Möbelstücke zu tragen. Sie haben jedoch ihre ursprüngliche Festigkeit verloren und das Schaukeln von Möbeln ist nicht nur eine unschöne Begleiterscheinung. Es kann im Extremfall auch zur Kippgefahr werden, wenn sich der vom Hersteller vorgegebene Schwerpunkt verschiebt. Sie verhindern schaukelnde Möbel, indem Sie diese zusätzlich im oberen Bereich an der Wand verankern. Nutzen Sie dazu aber nicht die Möbelrückwände, denn diese sind meist instabil und haben nur dekorativen Wert. Platzieren Sie vielmehr Montagewinkel an der Oberseite des Korpus. Wenn Sie sich für Anbaumöbel entschieden haben, erreichen Sie zudem nur so, dass die einzelnen Bauteile eine gemeinsame und in sich kompakte Einheit ergeben. Die moderne Bautechnik der heutigen Zeit birgt gleich mehrere Tücken, wenn Sie Ihre Möbel ohne Kippgefahr aufstellen wollen. Bei Standmöbeln müssen die bereits genannten Montagewinkel nur den geringeren Anteil ihres Gesamtgewichtes abfangen. Hängende Möbel erfordern jedoch einen noch wesentlich höheren Aufwand. Zum Verhängnis werden hierbei vor allem Trockenbauwände aus Gipskarton, die nur über eine eingeschränkte Tragkraft verfügen. Selbst wenn diese mehrfach beplankt sind, können sie niemals das gleiche Gewicht tragen wie eine fest gemauerte Wand. Bevor Sie sich für schwere Hängemöbel entscheiden, sollten Sie sich deshalb auch vergewissern, ob die Wände Ihrer Wohnung diese Last aufnehmen können. Sie erfahren dies bei Ihrem Vermieter. Im selbst genutzten Eigenheim hingegen sind Sie selbst für diese Recherche verantwortlich. Gipskartonwände erkennen Sie bereits an ihrem dumpfen Klang, wenn Sie vorsichtig mit einem Gummihammer oder mit Ihrer Faust „anklopfen“. Fest gemauerte Wände erzeugen im Gegensatz dazu fast keinen Schall.

Möbel aufbauen gelingt nur mit dem geeigneten Know-how

Die große Mehrzahl der Möbelhersteller betrachtet es als selbstverständlichen Service, Ihnen das erforderliche Montagematerial mitzuliefern. Über sicherheitsrelevante Bauteile wie Montagewinkel und Arretierungen haben wir bereits gesprochen. Zu diesem Material gehören aber auch häufig Schrauben und Dübel für die Wandbefestigung. Betrachten Sie solches Zubehör bitte lediglich als Empfehlung. Es ist ausschließlich für intaktes und festes Mauerwerk geeignet! Für eine andere Bausubstanz wie Gipskarton oder Poroton, die sogenannten Hochlochziegel, benötigen Sie grundsätzlich anderes Montagematerial. Dies ist der erste Baustein Ihres Know-hows. Wenn Sie Möblierungen ohne Kippgefahr montieren wollen, benötigen Sie immer das angepasste Montagezubehör vom Baumarkt oder vom Fachhandel. Wenn Sie nicht über ausreichende Erfahrung verfügen, sollten Sie sich unbedingt vor dem Kauf von diesen Fachleuten beraten lassen. Wichtig ist aber auch, dass Sie spezielle Dübel, Schrauben und Wandanker fachgerecht einsetzen – der zweite Baustein Ihres Know-hows. Ein 8er Porotondübel beispielsweise muss unbedingt mit einem 8er Hartmetallbohrer eingebohrt werden. Für einen Quetschdübel in Gipskarton benötigen Sie eine Spezialzange, die Sie bei einem Fachmann ausleihen können. Einen Schwerlastanker müssen Sie unbedingt mit einem Hartmetallbohrer der vorgeschriebenen Größe einbohren. Verlassen Sie sich niemals auf Improvisationen, denn damit erreichen Sie nicht die notwendige Sicherheit. Sie eröffnen vielmehr der Kippgefahr Ihrer Möbel alle Möglichkeiten. Einen sicheren Stand sowie die Leichtgängigkeit aller beweglichen Möbelbauteile erreichen Sie nur, wenn Sie Wasserwaage und Zollstock zum Einsatz kommen lassen. Jedes schief aufgestellte Möbelstück verzieht sich in seinem Korpus. Das bedeutet nicht nur, dass die Fronten unsymmetrisch und damit unschön aussehen. Vielmehr hat dies zur Folge, dass sich Schubkästen und Türen nur noch schwer öffnen lassen. Gewaltsames Öffnen erhöht aber die Kippgefahr und gewaltsames Schließen führt häufig zu eingequetschten Fingern.

Welche Werkzeuge benötigen Sie zum Aufstellen?

  • Wasserwaage
  • Zollstock und Bleistift
  • Schraubendreher verschiedener Größen
  • empfehlenswert ist ein Akkuschrauber

Welche Werkzeuge benötigen Sie für die Wandbefestigung?

  • gleiche Werkzeuge wie beim Aufstellen
  • Bohrmaschine oder Akkuschrauber mit Schlagfunktion
  • Bits entsprechend der verwendeten Schrauben

Darüber hinaus können weitere Werkzeuge und Hilfsmittel erforderlich werden. Inbusschlüssel etc. legen viele Hersteller dem Lieferzubehör bei.

Kurze Zeit nach dem Aufstellen der Möbel folgt die erste Durchsicht

Es geschieht häufig, dass sich trotz größter Sorgfalt bei der Möbelmontage kurze Zeit später die Schubkästen nur noch schwer öffnen lassen oder die Schranktür nicht mehr richtig schließt. Dies kann mehrere Gründe haben, denn Ihre neuen Möbelteile passen sich dem veränderten Gewicht durch eingelagertes Inventar an. Plötzlich hat sich eine Seitenwand nachträglich in ihrer Nut gesetzt oder die Türscharniere benötigen eine Nachjustierung. Im nachteiligsten Fall kann es auch möglich sein, dass ein Wanddübel nachgegeben hat und ausgerissen ist. Wenn Sie nicht rechtzeitig dagegen vorgehen, bergen Ihre Möbel eine latente Kippgefahr. Die Fronten sehen zwar unverändert schön aus, aber bereits ein voll beladener Schubkasten kann beim Herausziehen zum Umkippen des Möbelstückes führen. Sie entgehen dieser Kippgefahr, wenn Sie in der ersten Zeit nach dem Aufstellen der Möbel Unregelmäßigkeiten beobachten oder wenn Ihnen eine Befestigung als lose erscheint. Gehen Sie dieser Tatsache auf dem Grund. Dann vermeiden Sie die Kippgefahr und das eigene Aufstellen Ihrer Möbel ist ein voller Erfolg mit Langzeitwert.